Der Buchtipp: elf uhr elf

Wer mich kennt, weiß: Ich bin kein Freund des Karnevals. Aber dieses Buchprojekt hat mich gleich fasziniert. Neun Kölner Fotografen – Theodor Barth, Ute Behrend, Thekla Ehling, Dirk Gebhardt, Matthias Jung, David Klammer, Frederic Lezmi, Nadine Preiß und Wolfgang Zurborn – haben über drei Sessionen den Kölner Karneval beobachtet. Was man von solchen Fotografen erwarten kann und erste Bilder auch zeigen: Das ist mehr als “Kölle Alaaf”!

Finanziert wird das Buchprojekt übrigens über Crowdfunding. Über 11.111 € sind dafür zusammen gekommen und die Teilnehmer freuen sich schon auf ihre Bücher und Prints, die sie nun bald erhalten. Eine Ausstellung ist auch geplant.

Tipp: Claxton Projects

Wer sich für Fotobücher interessiert, findet auf claxtonprojects.com eine wunderbare Einführung in diese spannende Welt. Initiert von Tom Claxton, einem New Yorker Fotoagenten, bietet diese Website eine Übersicht über herausragende Fotobücher. Und nicht nur das! In jedem der vorgestellten Bücher kann über einige Seiten geblättert werden und man gewinnt einen Eindruck über Thema und Stil des Fotografen oder der Fotografin, sowie die Gestaltung der Bücher.

Hilla Becher und Lothar Schirmer im Gespräch

Anläßlich der Ausstellung “Bernd und Hilla Becher – Hochofenwerke” in der SK Stiftung Kultur, Köln (noch bis 26.1.2014) berichteten Hilla Becher und Lothar Schirmer gestern von ihrer langen Zusammenarbeit. Bernd und Hilla Becher gehörten zu den ersten Künstlern, mit denen der frischgebackene Verleger zusammen arbeitete.

Geradezu revolutionär war zu der Zeit offensichtlich das Konzept, wie Bernd und Hilla Becher ihre Bilder in Büchern präsentieren wollten – gegen die Auffassung von Layoutern, Textern, Artdirektoren: ein Bild/eine Seite, mittig, mit einer kurzen erklärenden Unterschrift. Das Bild steht für sich und reicht sich aus!

Trotz Erkältung erzählte Hilla Becher gut gelaunt ausführlich und spannend von ihrer Arbeit mit ihrem Mann Bernd. Über ihre Arbeitsteilung, ihre Diskussionen und auch Meinungsverschiedenheiten. Nur wer sich lange und intensiv mit einem Thema beschäftigt, weiß was und wie er es in seinen Bildern darstellen muss. Ein Plädoyer für überlegtes und bewußtes Fotografieren.

Die Fotografie erfindet sich neu

Diese These vertritt Marvin Heiferman, Kurator und Publizist, als aktueller Blogger in Still Searching, dem Blog zur Fotografie des Fotomuseum Winterthur. Sehr interessant sind in diesem Zusammenhang seine Ausführungen zum “Selfie”. Was gab es schon für Diskussionen, wenn das fotografische Thema “Selbstportrait” anstand. (Mein Lieblingszitat einer Kursteilnehmerin in diesem Zusammenhang: “MUSS man da selbst drauf sein??”) Im Zeitalter der Smartphones und der sozialen Netzwerke entstehen sie nun täglich zu hunderttausenden. Nicht nur heimlich für sich selbst, nein, vor der ganzen (Web-)Welt. So umfassend ist das Phänomen, dass der Name seines Produktes, das liebevolle Wörtchen “Selfie”, Eingang in das Oxford Dictionary gefunden hat.

Was treibt die (hauptsächlich jungen) Menschen dazu? Reiner Narzissmus oder ganz einfach der Versuch einer Bestätigung des eigenen Ichs? Heiferman’s Blog “Here’s Looking At Me” geht dem nach.

6th FotoBookFestival, Kassel (3)

Die Gewinner des Fotobuch Dummy Awards 2013 stehen nun fest:

Platz 1: Norman Behrendt “Burning Down The House”

Platz 2: Artur Krutsch “Thule”

Platz 3: Robert Beyer “Fahrtenschwimmer”

Auf der Webseite des FotoBookFestivals gibt es mehr Informationen zu den Gewinnern und vorallem Bilder. Da auch (fast) alle Buchdummies der Shortlist “durchgeblättert” werden können, ist diese Website eine echte Fundgrube für alle die sich für Fotografie und Fotobuchprojekte interessieren.

6th FotoBookFestival, Kassel

Light and Shadow MagazinDas diesjährige FotoBookFestival stand ganz im Zeichen des großen japanischen Fotografen Daido Moriyama. So waren seine ca. 150 Bücher zu sehen, in Vorträgen wurde der Einfluß seiner Arbeit auf die japanische Fotografie beschrieben und natürlich gab es handsigniertes zu erwerben, denn der Meister war persönlich anwesend.

Am Samstag, den ich mir für meine Reise nach Kassel ausgesucht hatte, war die Qualität der Vorträge leider sehr unterschiedlich. Aber die beiden Hauptvortragenden, John Gossage und Simon Baker, gaben sehr gute Einsichten in die japanische “Protestfotografie” (J.G.) und den Einfluß besonders William Klein’s auf diese Fotografie (S.B.). Markus Schaden verfolgte und erläuterte an einer Wandinstallation den künstlerischen Werdegang Daido Moriyamas. (Ich hatte mich am Abend der Führung angeschlossen. Morgens als Einstieg wäre sinnvoller gewesen.)

Und handsigniertes gab es in Form des Light and Shadows Magazine für das Bücherregal!

Neu in meinem Bücherregal: Andreas Weinand – The Good Earth

Nach Colossal Youth legt Andreas Weinand nun sein zweites Buch bei Peperoni Books vor. The Good Earth erzählt aufmerksam, aber unaufgeregt und in wunderbar ruhigen Bildern die Geschichte eines Ackers und der Menschen, die ihn bewirtschaften. Diese Szene findet er – für viele vielleicht immer noch überraschend – mitten im Ruhrgebiet, an der Grenze zwischen Essen und Mülheim. Fünf Jahre hat er sich für diese Langzeitdokumentation Zeit genommen und man spürt, wie nah er dem Ort und den Menschen gekommen ist. Herausgekommen ist ein wunderbares Fotobuch!

Andreas Weinand, The Good Earth, Peperoni Books 2013

Gisele Freund / Jessica Backhaus in Erfurt

Die Kunsthalle Erfurt zeigt bis zum 24. November die Doppelausstellung Gisele Freund / Jessica Backhaus. Es ist die erste Ausstellung des neuen Formats Classic / Contemporary. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf Jessica Backhaus mit ihren Stillleben des Alltäglichen. “Ortlose Orte” nennt sie die Thüringer Allgemeine, denn Formen, Farbe und Licht stehen bei Backhaus im Fordergrund ihrer Arbeiten. Dies ist natürlich ein ganz anderer Ansatz als der ihrer Mentorin Gisele Freund mit ihren Porträts und soziologischen Studien. Was für den einen “beliebig”, ist für den anderen spannend. Eine Ausstellung, deren Besuch sich lohnt!
Ideal zur Einführung in die Arbeiten von Jessica Backhaus ist der Film “Wonder”, der in der Ausstellung zu sehen ist, aber auch auf youtube verfügbar ist.

Get The Picture

Unter diesem Titel und der gleichnamigen Website getthepicture.fr haben sich mehrere Fotografen – darunter auch Harvey Benge – zusammengetan, die ähnliche Auffassungen von Fotografie haben.

Ein Blick auf die Website lohnt allemal!